Über

In einem System, das so komplex ist, wie die Kunst, und dessen Möglichkeit eines qualitativen Fortschritts auch immer eine Neubewertung/ Definition des Systems/ Begriffs nach sich zieht, ist es zugegebenermaßen schwierig, die Position eines Kritikers einzunehmen. Gleichzeitig ist der kritische Diskurs über einzelne Werke und Ausstellungen ebenso essentiell für das System in all seiner Veränderlichkeit.

Der Diskurs über ein Werk hört nie auf, solange es materiell bzw. als gedacht existiert und sich mindesten ein Individuum, sei es der Künstler selbst oder nicht, daran erinnert. Allein schon durch den unterschiedlichen historischen Kontext verändert sich der Diskurs, eine endgültige und über alle Zeit erhabene Kritik ist nicht möglich. Trotzdem schafft ein Diskurs ein temporäres Urteil. Wir haben das Gefühl, dass in Diskussionen über Güte der Kunst jegliche Form von kritischer Meinung unerwünscht ist. Dabei empfinden wir gerade in der Kunst die Notwendigkeit, Position zu beziehen und diese auch öffentlich zur Diskussion zu stellen. Diese Artikel sollen ausdrücklich Anstoß zu einem weiterführenden Gespräch sein und haben keinen didaktischen Anspruch.

Eine der einzigen Positionen, die man heute innerhalb der Kunst als gefestigt oder sogar „gesellschaftlich akzeptiert“ beschreiben kann, ist die Ansicht, dass die Aufgabe der Kunst darin besteht, Werke und Motive neu zu kontextualisieren. Folgt man dieser Ansicht, so stellt sich für uns die Frage, inwiefern das Kritisieren an sich nicht ebenso eine Neubewertung/ Kontextualisierung ist; und somit zu einem künstlerischer Akt wird.