Blue Times — Kunsthalle Wien

Liest man den Begleittext zur Ausstellung Blue Times stößt man auf folgenden Absatz: „Die Gruppenausstellung […] versammelt über dreißig internationale künstlerische Positionen und stellt sie in einem offenen Raum gegenüber, um eine assoziative Sozialgeschichte der Farbe zu entwerfen, die ihre psychologische, metaphorische, und assoziative Kraft thematisiert, aber auch ihre Instrumentalisierung zu ideologischen, politischen oder ökonomischen Zwecken.“

So verwässert der Ausstellungstext schon von vorn herein die Intention des Ausstellungstitels, der vordergründig eher für den melancholischen Aspekt der Farbe blau steht. Daher stellt sich also die Frage, ob sich die beiden Kuratoren Amira Gad und Nicolas Schafhausen in ihrem Konzept zu weit von der eigentlichen, finalen Ausstellung entfernen, oder ob sie den falschen Titel wählten.

Nach dem Besuch der Ausstellung jedoch bekommt man eher den Eindruck, als ob das Problem der Ausstellung im Umgang mit der Thematik Blau liegt: Natürlich ist die Farbe Blau „omnipräsent“, um so schwieriger ist es, aus dieser Farbe heraus eine Ausstellung zu entwickeln. Denn durch die „vielschichtigen Konnotationen“, wie es in der Beschreibung heißt, und das „Nebeneinander der Werke bildender Kunst und ausgewählter anderer Objekte“ unter Thematisierung der „Wahrnehmung und Verwendung des […] populären wie facettenreichen Farbtons von der Vergangenheit bis in die Zukunft hinein“ übernehmen sich die beiden Kuratoren. Sie wollen alles abdecken, verlieren dabei aber die nötige stringente Konsistenz.

Ein weiteres Problem der Ausstellung besteht darin, dass sich die Auswahl der ausgestellten Arbeiten meist nur optisch, nicht aber inhaltlich mit der Farbe Blau als solches beschäftigen. Oder anders gesagt: Viele Arbeiten sind nur zufällig blau, sie haben nichts mit dem Inhalt der Arbeit zu tun, das Wesen der Arbeiten wird nicht durch deren Farbigkeit bestimmt. So etwa bei den Arbeiten von Pamela Rosenkranz oder Jonathan Monk um nur zwei Beispiele zu nennen.

Durch eben diese eher oberflächliche Auswahl werden viele Arbeiten auf ihre reine Farbigkeit reduziert und verlieren im Kontext der Ausstellung ihre eigentliche Intention.

Und so wirkt Anordnung der Arbeiten wie ein loses Sammelsurium an blauer Kunst, die nichts miteinander teilen außer ihrer Couleur. Dabei muss man nicht die einzelnen Positionen innerhalb der Ausstellung kritisieren, an diesen gibt es nichts auszusetzen. Es liegt also nicht an der Qualität der ausgestellten Arbeiten, sondern an deren Arrangement. Was am Ende bleibt ist das undefinierte, Thema, dass diese Ausstellung bedauerlicherweise so wahllos und zusammenhangslos erscheinen lässt.
Blue Times — Kunsthalle Wien — 01.10.2014 – 11.01.2015